Verein zur Förderung von Demokratie und Toleranz e.V. Weimar und Weimarer Land
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Sparkasse Mittelthüringen
Nach dem der Landesparteitag der NPD Thüringen durch ein couragiertes Handeln des Bürgermeisters und des Anwaltes von Großschwabhausen letztenendes durch ein Urteil des Oberverwaltungserichtes Weimar verhindert werden konnt, galt es nun, kurzfristigst eine andere Kommune in Thüringen in ihren Protesten gegen den dorthin verlegten Parteitag zu unterstützen.
Dies war – seit Freitagnachmittag erst bekannt – die Gemeinde Haselbach im Thüringer Wald, in der Nähe von Neuhaus am Rennweg gelegen. Auch wenn es uns nicht möglich war, eine große Mobilisierung zu organisieren, sind einige Weimarer mit Autos nach Haselbach gefahren und haben dort neben den Aktiven vor Ort Flagge gegen Rechts gezeigt. Der Landtagsabgeordnete der SPD, Eckardt, hat dort noch kurzfristig eine Protestkundgebung angemeldet und es fanden sich ca. 100 Engagierte vor Ort ein, um gemeinsam gegen den NPD-Landesparteitag zu protestieren. Wir sagen an dieser Stelle Danke allen, die so schnell so eine Aktiuon noch auf die Beine gestellt und erfolgreich daran teilgenommen haben.
Auch möchten wir ganz herzlich den Großschwabhäuser BürgerInnen danken, die bis zur Entscheidung des Gerichtes vielfältige Proteste gemeinsam mit dem Aktionsnetzwerk Jena und dem Bürgerbündnis Weimar geplant und vorbereitet hatten.
Am Donnerstag, den 10. Mai 2012, fand in Weimar eine zweigeteilte Veranstaltung im Gedenken an den Beginn der Deportation der Thüringer Juden vor 70 Jahren statt.
Der eine Teil wurde von ca. 50 TeilnehmerInnen auf dem Gelände hinter der Viehauktionshalle in Weimar-Nord interessiert verfolgt. Der zweite Teil fand unter Mitwirkung vieler Engagierter auf dem Theaterplatz in Weimar statt. Hier traten u.a. Schauspieler des Deutschen Nationaltheaters Weimar zusammen mit Mitgliedern des Jugendtheaters im „stellwerk“ auf, es lasen SchülerInnen des Humboldtgymnasiums, ein Klarinettist der Staatskapelle spielte jüdische Musik und Clueso und Band spielten gemeinsam mit Alan Bern vom Yiddish Summer Weimar.
Viele WeimarerInnen waren der Einladung gefolgt und lauschten dem Programm auf dem Patz vor der Bühne neben dem Goethe-und-Schiller-Denkmal.
Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, welche gemeinsam von der Stadt Weimar, der Gedenkstätte Buchenwald, dem DNT und der Staatskapelle Weimar, Mitgliedern des Jugendtheaters im „stellwerk“, MitarbeiterInnen des Zughafens Erfurt und unserem Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar organisiert worden war. Wir sagen allen Beteiligten Danke!
Liebe MitstreiterInnen, wir ihr sicher schon gehört habt, ist der NPD-Landesparteitag heute vom Oberverwaltungsgericht Weimar in Großschwabhausen untersagt worden.
Wir sind trotzdem wachsam. Es besteht die, wenn auch nicht sehr große Möglichkeit, vors Bundesgericht zu ziehen. Und wenn die Entscheidung doch so bleibt, dann freuen wir uns für Großschwabhausen und halten die Augen offen, ob wir kurzfristig woandershin mobilisieren. Wir informieren euch, so schnell es Neuigkeiten gibt und so zügig es uns möglich ist.
Am Samstag 12. Mai 2012 will die neonazistische NPD kurz vor Jena, in Großschwabhausen, ihren Thüringer Landesparteitag durchführen.
Die NPD verharmlost die Verbrechen des Nationalsozialismus und betreibt offen nationalistische und rassistische Hetze. In Jena war sie eng verbunden mit den Mitgliedern des Terrornetzwerks „Nationalsozialistischer Untergrund“, die verdächtig sind, zehn Menschen ermordet zu haben. Der Austragungsort ist bewusst gewählt. Nachdem die NPD bei den Wahlen vor allem in den Großstädten scheiterte, versucht sie sich jetzt auf dem Land, im Umfeld der Städte zu verankern.
Das müssen wir verhindern! Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar, das Aktionsnetzwerk gegen Rechts Jena und die Bürgerinitiative in Großschwabhausen rufen dazu auf, sich den Nazis in den Weg zu stellen.
Proteste // Samstag, 12. Mai 2012, Großschwabhausen
Treff Weimar // 7.00 Uhr, Hauptbahnhof
Öffentliches Probesitzen // Donnerstag, 10. Mai 2012, 20.00 Uhr, vor der Kirche in Großschwabhausen
Letztes Weimarer Info-Treffen // Freitag, 11. Mai 2012, 19.00 Uhr, Jugend- und Kulturzentrum „mon ami“, Goetheplatz
Die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts Dresden hat nach heutiger Verhandlung die Extremismusklausel des Bundes in Gänze für rechtswidrig erklärt. Geklagt hatte das Alternative Kultur- und Bildungszentrum (AKuBiz e.V.) aus Pirna.
Steffen Richter, Vorsitzender des AKuBiZ e.V.: „Bei aller Freude über das Urteil, so ist es traurig, dass wir es überhaupt erstreiten mussten. Die Extremismusklausel ist eine aktive Behinderung der wichtigen Arbeit gegen Rechts vor Ort. Die Auffassung des Gerichts bestätigt, dass Demokratiearbeit nicht mit Misstrauen begegnet werden darf.“ Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Demokratieentwicklung (BAGD), der größte Zusammenschluss von Initiativen im Bereich von Demokratieförderung und Engagement gegen rechte Ideologien und Neonazis zeigt sich hoch erfreut über die wegweisende Entscheidung. Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung zur heutigen Verhandlung: „Das Urteil bestätigt unsere Auffassung, dass solche Staatsbekenntnisse und Bespitzelungsaufforderungen nicht rechtskonform sind.“ Friedemann Bringt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAGKR): „Demokratie muss gelebt werden. Frau Schröder ist aufgefordert, diese rechtswidrige Klausel sofort zurückzunehmen. Eine Entschuldigung bei den Initiativen, die sich tagtäglich vor Ort für Demokratie einsetzen, wäre angebracht.“
Quelle // AKuBiZ e.V., Amadeu Antonio Stiftung, BAGD, BAKR)
Wir – das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar – unterstützen mit der Unterschriftensammlung die Kampagne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), welche sich unter dem Motto „no npd. NPD-Verbot jetzt!“ seit einigen Jahren bereits – neben vielen anderen – für ein Verbot dieser rechtsextremen Partei engagiert. Um nicht missverstanden zu werden: Auch in unserem Weimarer Bündnis gibt es eine rege Diskussion zum Für und Wider eines Parteienverbots. Wir haben uns aber u.a. aus folgendem Grund zur Unterstützung dieser Forderung entschlossen: Mit einem Verbot der NPD erreichen wir, dass die Finanzierung dieser Partei eingestellt und ihr somit das Geld entzogen wird, mit welchem sie die Verbreitung ihrer perfiden und verfassungsfeindlichen Ideologie finanzieren konnte. Ein Verbot für sich allein reicht bei weitem nicht aus und kann nur der Anfang sein für ein bundesweit engagiertes Vorgehen gegen rechte Gewalttäter, aber auch und vor allem gegen rechtsradikale, antisemitische und fremdenfeindliche Einstellungen in der Mitte unserer Gesellschaft. Diese Unterschriftensammlung ist ein erster Schritt.
Wir bieten über unten stehenden Link nun auch online die Möglichkeit, sich für ein NPD-Verbot auszusprechen und für ein solches unterzeichnen zu können.
Die Kampagne „no npd – NPD-Verbot jetzt!“ wird von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten organisiert und durchgeführt. Wir möchten sie hiermit unterstützen, und wir tun dies in dem Wissen, dass auch innerhalb unseres Bündnisses das Für und Wider eines Verbotes mit jeweils nachzuvollziehenden Argumenten nicht schlussendlich entschieden ist. Es gibt viele Gründe, die gegen ein Verbot der NPD sprechen. Aber es gibt auch einen starken Grund, dieses zu fordern: Der Staat „unterstützt“ die NPD über das Parteienfinanzierungsgesetz jährlich mit beachtlichen Summen. Diese Gelder würden dann nicht mehr gezahlt werden müssen! Parallel muss aber das Engagement gegen den Rasissmus in den Köpfen auch in der Mitte unserer Gesellschaft fortgeführt und intensiviert werden. Ein Verbot einer Partei löst all diese anderen Probleme nicht. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass diese Verantwortung von uns allen – der Politik, der Gesellschaft, den Menschen – ernst- und wahrgenommen wird!
Online-Petition // http://www.npd-verbot-jetzt.de/unterschreiben/
Infos // http://www.vvn-bda.de/
Diese Stellungnahme des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV) vom 5. Januar 2011 möchten wir euch sehr gerne zur Kenntnis geben, da sie erstmals in dieser Ausführlichkeit aus anwaltlicher Sicht die Repressionen der sächsischen Behörden im Zusammenhang mit den antifaschistischen Protesten im Februar 2011 in Dresden beleuchtet.
„Einschätzungen zu den staatlichen Reaktionen auf die antifaschistischen Aktivitäten zum 13. und 19. Februar 2011 gegen den (ehemals) größten Neonaziaufmarsch Europas.
Im Februar 2011 haben in Dresden vielfältige, von einem breiten antifaschistischen Bündnis getragene Aktivitäten stattgefunden. Dabei ist es am 19. Februar 2011 erneut gelungen, den größten Neonaziaufmarsch in Europa zu verhindern. Was in der öffentlichen Debatte als großer Erfolg der Zivilgesellschaft gegen die extreme Rechte wahrgenommen wurde, ist den sächsischen Sicherheitsbehörden ein Dorn im Auge. Das zivilgesellschaftliche Engagement ist zu selbstbestimmt, zu innovativ und politisch erfolgreich. Statt wohlwollender Unterstützung gehen die Sicherheitsbehörden massiv gegen die antifaschistischen Aktivitäten vor.
Die präventiven und repressiven Maßnahmen haben 2011 eine ungeahnte Qualität und ein neues Ausmaß erreicht. Die Summe der Beispiele macht nicht nur deutlich, mit welcher Vehemenz staatliche Stellen in Sachsen gegen AntifaschistInnen vorgehen. Sie zeigt auch in eindrucksvoller Weise, wie flexibel der Rechtsstaat sein kann, wenn die Staatsräson es verlangt – nicht nur an einzelnen Punkten, sondern systematisch. Das von einem obrigkeitsstaatlichen Geist geprägte sächsische Vorgehen darf nicht Schule machen. Hier liegt ein wesentliches Feld kommender politischer Auseinandersetzungen, nicht nur für die Bürgerrechtsbewegung.
Versammlungsfreiheit nur für Neonazis
Für den 13. und 19. Februar 2011 hatte die Dresdener Stadtverwaltung in Absprache mit der Polizeidirektion Dresden ein vollständiges Versammlungsverbot für zivilgesellschaftliche und antifaschistische Kräfte auf der Altstädter Seite der Elbe erlassen, auf die der Neonaziaufmarsch von der Versammlungsbehörde verlegt worden war. Das von der Polizeidirektion Dresden in Absprache mit der Versammlungsbehörde schon am 14. Februar 2010 angewandte Trennungskonzept sah vor, dass die „gegnerischen Lager“ durch eine natürliche Barriere in Form der Elbe voneinander getrennt werden sollten.
Sämtliche Protestveranstaltungen, die auf der „falschen“ Seite angemeldet wurden, wurden örtlich „wegbeauflagt“. Eine Einzelfallprüfung wurde nicht vorgenommen. Dies sollte bezwecken, dass sich am 13. und 19. Februar 2011 in einem Gebiet mit rund 300.000 EinwohnerInnen ausschließlich AnhängerInnen der extremen Rechten versammeln können. Ein derart weiträumiges innerstädtisches Versammlungsverbot zur Durchsetzung eines Neonaziaufmarsches dürfte wohl bisher einmalig gewesen sein.
Die Argumentation der Behörde, nur durch eine natürliche Barriere die gegnerischen Lager trennen und dadurch Ausschreitungen und eventuelle Störungen des Neonaziaufmarsches verhindern zu können, erscheint dabei als vorgeschoben. Nicht nur die von der Stadt für den 13. Februar 2011 mitinitiierte Menschenkette, die sowohl die Alt- als auch die Neustädter Seite umfasste, sondern auch die kirchlichen Mahnwachen am 13. und 19. Februar 2011 waren von dem Versammlungsverbot ausdrücklich nicht betroffen. Eine solche Maßnahme auf der Altstädter Seite war für die Versammlungsbehörde politisch nicht durchsetzbar. Die Absperrung der Brücken und damit eine rigorose Durchsetzung des Trennungskonzeptes konnten also von vorneherein nicht erfolgen. Auch intern begründete die Polizeidirektion Dresden ein derart weiträumiges Versammlungsverbot nicht mit einer Abwehr von konkreten und unmittelbaren Gefahren, sondern lediglich mit der Notwendigkeit eines dadurch eröffneten polizeitaktischen Handlungsraums.
Die obrigkeitsstaatliche Art, Auflagen zu erlassen, hatte also lediglich das Ziel, die Arbeit der Polizei zu erleichtern, den Neonaziaufmarsch möglichst störungsfrei ablaufen zu lassen und zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Protest in Hör- und Sichtweite zu unterbinden. Versuche, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit der GegendemonstrantInnen zu gewährleisten, wurden von der Dresdner Behörden nicht unternommen.
Unbedingte Kriminalisierung von Blockaden
Die antifaschistischen Proteste, denen es gleichwohl gelang, den Neonaziaufmarsch zu verhindern, waren geprägt von Blockaden als Formen des zivilen Ungehorsams. Die Dresdner Strafverfolgungsbehörden lassen es sich dennoch nicht nehmen, diese Aktionen strafrechtlich zu verfolgen. AntifaschistInnen werden nach § 21 Versammlungsgesetz kriminalisiert, weil sie durch ihre körperliche Präsenz an einem bestimmten Ort ihren Willen zum Ausdruck gebracht haben, die Neonazis nicht marschieren zulassen.
Von diesem politischen Vorgehen lässt sich die Staatsanwaltschaft Dresden auch nicht dadurch abbringen, dass das Sächsische Versammlungsgesetz durch den Sächsischen Verfassungsgerichtshof im April 2011 rückwirkend für nichtig erklärt worden ist und daher am 19. Februar 2011 keine Geltung hatte. Die nunmehr durch die Staatsanwaltschaft Dresden vorgenommene Anwendung des § 21 des Versammlungsgesetzes des Bundes stellt einen Verstoß gegen das verfassungsrechtlich garantierte Rückwirkungsverbot dar. Es verstößt zugleich gegen das Bestimmtheitsgebot, weil das Bundesversammlungsgesetz einen höheren Strafrahmen vorsieht. Sie stellt sich damit bewusst und offen gegen den zentralen strafrechtlichen Grundsatz „Keine Strafe ohne Gesetz“ aus Artikel 103 Abs. 2 des Grundgesetzes. Danach darf eine Handlung nur bestraft werden, wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Begehung gesetzlich verboten war. Das ist für den 19. Februar 2011 nicht der Fall, da das Sächsische Versammlungsgesetz nichtig ist und das Bundesversammlungsgesetz zu diesem Zeitpunkt bereits außer Kraft gesetzt war.
Immunität gilt nicht bei praktiziertem Antifaschismus
Wohl einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte dürften auch die Fälle von Bodo Ramelow und Dr. André Hahn sein. Den Vorsitzenden der Fraktionen der LINKEN im sächsischen und thüringischen Landtag wurde mit den Stimmen von FDP und CDU, in Sachsen sogar gemeinsam mit der NPD, die parlamentarische Immunität genommen, weil sie am 14. Februar 2010 an Versammlungen gegen Neonazis teilgenommen hatten.
Ein „elektronischer Polizeikessel“ (Wolf Wetzel)
Die sächsischen Sicherheitsbehörden wollen den antifaschistischen Protest um jeden Preis unter ihre Kontrolle bekommen. Zu diesem Zweck haben sie eine Bespitzelungsaktion gestartet, die in ihrem Umfang in der Bundesrepublik ohne Beispiel ist. Rund um den 19. Februar 2011 wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden bei mehreren Dutzend Funkzellen, insbesondere in der Dresdner Südvorstadt, alle an diesem Tag angefallenen Telekommunikationsverkehrsdaten abgefragt. Dies führte zur Erhebung von insgesamt mehr als einer Million Datensätzen. Von über 54.000 Mobilfunknutzern wurden die persönlichen Stammdaten erhoben. Betroffen war das Gebiet, in dem sich an diesem Tag ein vielfältiges Versammlungsgeschehen abspielte und sich bekanntlich – neben Tausenden von DemonstrantInnen – Abgeordnete, Geistliche, RechtsanwältInnen, JournalistInnen und sonstigen BerufsgeheimnisträgerInnen aufhielten.
Weder Polizei oder Staatsanwaltschaft noch das die Maßnahme anordnende Amtsgericht sahen hierin ein Problem. Eine Verhältnismäßigkeitsprüfung wurde nicht vorgenommen. Sonst wäre schnell deutlich geworden, dass bereits Dauer und Umfang der Maßnahme deren Rechtswidrigkeit indiziert – ganz abgesehen davon, dass sie die Totalerfassung einer von Artikel 8 des Grundgesetzes geschützten Versammlung bedeutete.
Nach den Maßstäben eines sächsischen Rechtsstaats scheint die Funkzellenabfrage ein Standardinstrument zu sein, dessen Einsatz niemals an einer Unverhältnismäßigkeit scheitern könnte. Die Grundrechtsferne der zuständigen Strafverfolgungsbehörden wurde durch die Untersuchung des sächsischen Datenschutzbeauftragten zu den Funkzellenabfragen manifest. In seinem Bericht wird ein Schreiben der Polizeidirektion Dresden zitiert, wonach sie einen Eingriff in die Versammlungsfreiheit der betroffenen Personen mit dem Argument ablehnt, wegen der Heimlichkeit der Maßnahme würden die Betroffenen doch überhaupt nicht von der Wahrnehmung ihrer Grundrechte abgehalten.
Das Konstrukt einer kriminellen Vereinigung
Im Laufe des Jahres 2010 genügte es den sächsischen Sicherheitsbehörden aber nicht mehr, direkt gegen die antifaschistischen Proteste rund um den 13. Februar vorzugehen. Sie wollten die antifaschistischen Aktivitäten nachdrücklich bekämpfen und entsprechend kontinuierlich gegen alle Personen und Strukturen vorgehen, die tatsächlich oder scheinbar den Protest tragen. Zu diesem Zweck konstruierten die Dresdner Strafverfolgungsbehörden eine kriminelle Vereinigung gemäß § 129 StGB. Damit standen und stehen ihnen quasi alle Ermittlungs- und Ausforschungsinstrumente zur Verfügung, die das deutsche Strafverfahren zu bieten hat.
Bei der Konstruktion der kriminellen Vereinigung bewiesen die Sicherheitsbehörden ein erstaunliches Maß an Kreativität, Weitsicht und Kaltschnäuzigkeit. Einzelne in Gruppen verübte Straftaten zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten wurden kurzerhand als Straftaten einer nicht näher definierten kriminellen Vereinigung deklariert. Keine Rolle spielte es, dass kaum einer der TäterInnen an den jeweiligen Tatorten identifiziert werden konnte. Zu Mitgliedern der Vereinigung wurden diejenigen erkoren, von denen die Staatsanwaltschaft Dresden ausging, dass sie der sächsischen Antifa-Szene angehören. Die Annahme, dass es sich dabei um eine Vereinigung im Sinne des § 129 StGB handele, wurde mit der augenscheinlichen körperlichen Fitness der vermeintlichen TäterInnen begründet. Aus der Tatsache, dass bei den Taten keine Kommandos gegeben wurden, leitet die Staatsanwaltschaft zudem ein bestimmtes „Kennverhältnis“ ab. Mitglied in dieser Vereinigung soll übrigens auch der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König sein, der zwar nicht für seine körperliche Fitness, aber für seine Megafon- und Lautsprecherdurchsagen bei Demonstrationen bekannt ist.
Sächsische Maßstäbe
Die zuständigen Sicherheitsbehörden, allen voran Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden, versuchen mit allen Mitteln, gegen die antifaschistischen Proteste vorzugehen. Die martialische Razzia im Haus der Begegnung am 19. Februar 2011, der Einsatz von Pepperballgeschossen gegen AntifaschistInnen, die Überwachung aus der Luft mit Drohnen, der Einsatz von Wasserwerfern bei Minusgraden gegen nicht gewalttätige Menschenmengen und die bundesweit durchgeführten Durchsuchungen bei AktivistInnen sind weitere Beispiele hierfür. Es geht darum, sämtliche Facetten des Protestes zu kriminalisieren, die sich nicht auf die Teilnahme an einer Menschenkette weitab vom Neonaziaufmarsch reduzieren lassen. Sie scheinen für die Behörden das eigentliche Problem zu sein, nicht der (ehemals) größte Neonaziaufmarsch Europas.
Exemplarisch für dieses Vorgehen steht die Einschätzung der Polizeidirektion Dresden, dass es sich bei der Blockade von Neonaziaufmärschen um eine „Straftat von erheblicher Bedeutung“ handelt. Neben dem militanten Antifaschismus wird vor allem das Konzept der Blockaden ins Visier der Ordnungsbehörden und des politischen Konservatismus genommen. Das Durchfließen von Polizeikräften wird von dieser Allianz als Gewalttätigkeit diffamiert und es werden entsprechende Konsequenzen gefordert. Gleichzeitig geraten diejenigen ins Visier, die Menschen aufgefordert haben sollen, durch die Polizeiketten hindurch zu den Blockaden zu kommen. Polizei und Staatsanwaltschaft zielen damit ausdrücklich auf das Aktionsbild und den Aktionskonsens des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ ab.
In dieser politischen Auseinandersetzung sind die sächsischen Sicherheitsbehörden offenbar zu allem bereit. Die oben angeführten Beispiele stellen nicht bloß einzelne Überschreitungen rechtsstaatlicher Grenzen dar. Sie bedeuten vielmehr eine systematische Missachtung und Umdeutung bislang geltender rechtsstaatlicher Grundsätze. In Dresden gilt offenbar ein eigenes Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis, das sich in vielen Behörden tief eingegraben zu haben scheint. Dies zeigt sich auch darin, dass die dortigen AmtsträgerInnen immun gegen jede diesbezügliche Kritik sind und ihre offensichtlich rechtswidrigen Maßnahmen gar offensiv verteidigen und weiterhin fortsetzen. Während in anderen Bundesländern angesichts der erfolgreichen Verhinderung der Neonaziaufmärsche ein leises Zurückrudern begonnen hätte, wird in Dresden eine aktive Vorwärtsverteidigung praktiziert. Dabei werden die Sicherheitsbehörden sowohl von der Allianz aus CDU, FDP und NPD unterstützt, als auch medial angefeuert durch die Sächsische Zeitung und Bild Dresden.
Bemerkenswert ist, dass es dieser konservativen Allianz in diesem Fall nicht um die Verteidigung eines besonderen Projektes, sei es eines Bahnhofs, eines Energiekonzepts oder eines Gipfeltreffens, geht, sondern darum, Europas größten Neonaziaufmarsch durchzusetzen. Während MitarbeiterInnen in demokratisch verfassten Institutionen aufatmen würden, wenn der braune Spuk sein Ende genommen hätte, tun in Dresden die Verantwortlichen alles dafür, den erfolgreichen antifaschistischen Protest als das eigentliche Problem zu diffamieren.
Wohlgemerkt, es geht hier um die Verhinderung eines Neonaziaufmarschs in einem Bundesland, in dem NaziterroristInnen und rassistische Mörder jahrelang unbehelligt von den Behörden Kapitalverbrechen planen und begehen konnten; einem Aufmarsch, der das zentrale Treffen der deutschen und europäischen Neonaziszene darstellt. Statt wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, dass durch die Aktivitäten des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ und allen anderen zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Kräften nunmehr die Möglichkeit besteht, den Neonaziaufmarsch endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen, setzen die sächsischen Sicherheitsbehörden alles daran, den Neonazis den Weg freizumachen. Ob dieser Effekt politisch gewollt ist, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist er die Folge ihres Vorgehens.
Fazit
Das massive Vorgehen der sächsischen Allianz hat das Potenzial, bundesweit Schule zu machen. Sicherheitsbehörden anderer Länder und des Bundes werden die Vorgehensweise der Dresdner Strafverfolgungsbehörden sehr aufmerksam beobachten, um gegebenenfalls daraus ihre Schlussfolgerung zu ziehen. Dresden muss daher auch als Versuchslabor für das Vorgehen gegen soziale Bewegungen angesehen werden. Die politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen um das Vorgehen der Sicherheitsbehörden und das damit entstehende Klima könnten bundesweit die rechtlichen und politischen Maßstäbe sicherheitsbehördlichen Handelns verschieben – sei es bei der Funkzellenabfrage, der Konstruktion krimineller Vereinigungen oder dem Vorgehen gegen zivilen Ungehorsam und andere Formen zivilgesellschaftlichen Protests.
1. Bei der Verfolgung antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Aktivitäten gegen den ehemals größten Neonaziaufmarsch in Europa greifen die Strafverfolgungsbehörden systematisch zu offensichtlich rechtswidrigen Maßnahmen. Diese Repression richtet sich nicht gegen einzelne „Gewalttäter“, sondern betrifft sämtliche Formen des Protestes gegen den Neonaziaufmarsch und die Aktionsform des zivilen Ungehorsams im Besonderen.
2. Die zuständigen Sicherheitsbehörden und das sie unterstützende mediale und politische Spektrum spielen das Spiel der Neonazis. Den Beteiligten ist bewusst, dass sie mit ihrem Vorgehen alles dafür tun, den Neonazis wieder einen Aufmarsch zu ermöglichen. Dies gilt es, zu benennen und politisch zu skandalisieren. Das Problem ist der Naziaufmarsch, nicht die Aktivitäten dagegen.
3. Die obrigkeitsstaatlich geprägten sächsischen Maßstäbe, die von der dortigen konservativen Allianz durchgesetzt werden, dürfen nicht Schule machen. Wie die Beispiele zeigen, stellen rechtsstaatliche Grundsätze nur eine sehr flexible Grenze für staatliche Macht und Willkür dar. Umso mehr folgt daraus, dass die Begrenzung und Einhegung staatlicher Macht in politischen Auseinandersetzungen täglich neu erkämpft werden muss.
4. Für den Aufmarsch 2012 in Dresden ist es umso wichtiger, dass Antifa, Zivilgesellschaft, BürgerrechtlerInnen, Gewerkschaften, parteipolitischen Organisationen und viele andere solidarisch zusammenwirken – denn es geht nicht nur um den Kampf gegen Neonazis, sondern auch um die Verteidigung von Freiheits- und Grundrechten sowie die Durchsetzung von legitimen Aktionen des zivilen Ungehorsams.“
Vorstand des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV)
Info und Kontakt // E-Mail: kontakt(at)rav.de, Internet: www.rav.de
Liebe MitstreiterInnen, liebe SympathisantInnen, liebe Engagierte, nun gibt es auch von uns – dem Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar – ein paar Zeilen zum Jahresende. Ebene jenes war voll von Ereignissen, es gab für uns alle (leider) wieder viel zu tun. Aber wir haben neben unserem Engagement des Protestes auch einige sehr interessante und emotionale Veranstaltungshöhepunkte erleben können.
Unsere gemeinsame Fahrt mit vielen Tausenden nach Dresden und die erfolgreiche Wiederholung der letztjährigen Blockaden des bis dato europaweit größten Nazi-Aufmarsches läutete das Jahr für unser BgR ein und macht uns Mut, auch 2012 wieder erfolgreich zu sein.
Im April gab es zum nunmehr zweiten Mal ein von uns organisiertes Zeitzeugengespräch mit ehemaligen Häftlingen des KZ Buchenwald, diesmal mit Überlebenden des Außenlagers Ohrdruf. Eingebettet war dieses Gespräch in die Gedenkfeierlichkeiten um die Befreiung des Konzentrationslagers vor 66 Jahren im April 1945.
Am 10. Mai schloss sich die nächste Veranstaltung an: eine öffentliche Lesung auf dem Theaterplatz – gemeinsam mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar und zum Gedenken an die Bücherverbrennung der Nazis vor 78 Jahren. Einige von Euch haben dort auch vorgelesen, dafür nochmal allen Beteiligten liebsten Dank!
Ausschnitte aus der insgesamt zehnstündigen Dokumentation „Shoah“ von Claude Lanzmann zeigten wir mit Unterstützung des Haskala-Jugendbüros der Landtagsabgeordneten Katharina König am 7. Juni im Kommunalen Kino des „mon ami“. Dieser Filmabend stieß auf enormes Interesse und füllte das Kino bis zum letzten Platz. Ein sehr bewegender Abend!
Das Thema „Deutschlands neue Rechte“ stand bei einer Lesung und Diskussionsveranstaltung am 8. Juni im Niketempel bei Radio LOTTE im Mittelpunkt. Die Auslassungen des Herrn Sarrazin geisterten gerade durch die Bücher- und Medienwelt und wir wollten die Hintergründe beleuchten, welche neben anderem die Grundlage bilden für einen Rassismus in unserer Gesellschaft und Nazis oft Tür und Tor zur Begründung Ihrer Taten liefern. Zu diesem Thema wird es sicherlich noch die eine oder andere weitere Veranstaltung von uns geben.
Im Sommer, genau am 6. August, protestierten auch engagierte Weimarer gegen das so genannte „Rock für Deutschland“, das nach Dresden größte Nazi-Spektakel weit und breit. Nach Jahren des Nichstuns auch und gerade in der Sadt Gera selbst, gelingt es zunehmend, Proteste dagegen zu organisieren und das „Festival“ stark einzuschränken. Es gänzlich zu verhindern, gelang uns noch nicht, dies muss aber ein Ziel der nächsten Jahre werden! Auf diesem Wege möchten wir auch den Geraer Engagierten danken, welche sich unter teils starker Gegenwehr in ihrer eigenen Stadt aufgemacht haben, Gesicht zu zeigen und viel Arbeit in den letzten Jahren geleistet haben! Danke auch, dass sie dem „Antifaschistischen und antirassistischen Ratschlag 2011“ in ihrer Stadt aufgenommen und tatkräftig mit vorbereitet und unterstützt haben!
Am 1. September veranstalteten wir gemeinsam mit der TLZ eine Podiumsdiskussion zum Weltfriedenstag. Vielen Dank hierfür auch noch einmal Herrn Hoffmeister als Chefredakteur der Thüringischen Landeszeitung und der Zeitung selbst für ihre Berichterstattung im Vorfeld und in der Auswertung.
Gemeinsam mit der Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität gab es am 25. Oktober eine Lesung mit Celina Kress, der Autorin des Buches „Adolf Sommerfeld“. Letzterer war ein jüdischer Bauunternehmer, welcher u.a. langjährig mit Walter Gropius befreundet und geschäftlich verbunden war und mit ihm gemeinsam viele Bauprojekte realisierte. Unter anderen finanzierte er das so genannte Musterhaus am Horn.
Am 8. November schloss sich eine Lesung mit dem Weimarer Schriftsteller und Weimarpreisträger Wulf Kirsten zu seinem mit seinem Sohn gemeinsam herausgegebenen Buch „Stimmen aus Buchenwald“ an, welche im „mon ami“ stattfand.
Nun seit Mitte November beherrscht unsere Arbeit nunmehr fast ausschließlich ein Thema: die Mord- und Verbrechensserie des Nazi-Terror-Trios, welches seinen Ursprung in unserer Nachbarschaft – in Jena – hatte. Eine Schockwelle ging und geht durch die Medien und die Presselandschaft, jeden Tag neue Enthüllungen, auch zu den Verstrickungen des Thüringer und anderer Verfassungsschutzämter.
Mit Unterstützung von Frank Lange, Vorsitzender der Linkspartei Apolda/Weimar, haben wir es möglich gemacht, kurzfristigst eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionsveranstaltung in der Weimarhalle auf die Beine zu stellen. Als Gäste geladen waren und sind gekommen: Heiko Gentzel (Innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion), Katharina König (MdL, u.a. Antifaschismus-Sprecherin der Fraktion DieLinke.), Astrid Rothe-Beinlich (Vizepräsidentin des Thüringer Landtages und Migrationspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen), Steffen Dittes (Vertreter der Flüchtlingsinitiative Thüringen) und – leider erst mit einstündiger Verspätung, aber dennoch erschienen – zuguterletzt Thüringens Innenminister Jörg Geibert. Moderiert wurde die Diskussion unter fachkundiger Führung des stellvertretenden Chefredakteurs der TLZ, Hartmut Kaczmarek. Allen Beteiligten herzlichen Dank auf diesen Wege! Viel Neues wurde auf dieser Veranstaltung sicherlich nicht ans Tageslicht befördert, aber wir hielten es für unsere Aufgabe und Pflicht, hier nachzuhaken und dranzubleiben, den Beteiligten zu signalisieren, dass wir nicht locker lassen und weiterhin eine hundertprozentige und vollständig transparente Aufarbeitung und Aufklärung fordern, ebenso wie eine komplette Veröffentlichung aller Ermittlungsergebnisse!
Zum Abschluss eines ereignisreichen Jahres haben das Aktionsnetzwerk Jena und wir, das BgR Weimar, zwei Kundgebungen in Erfurt organisiert, welche die Verstrickungen des Verfassungsschutzes in diese Nazi-Terror-Serie zum Thema machten. Während einer spontanen Besetzung des Foyers des Landesamtes für Verfassungsschutz in Erfurt konnten wir erreichen, dass Herr Innenminister Geibert persönlich unsere Forderungen entgegennahm, welche lauteten:
(1) Mitarbeit von zwei VertreterInnen der Thüringer zivilgesellschaftlichen Bündnisse in der so genannten Schäfer-Kommission, welche vom Freistaat Thüringen mit der Aufklärung des Nazi-Terrors und der Verflechtung des VS darin beauftragt wurde,
(2) eine lückenlose und hundertprozentig transparente Aufklärung sowie Veröffentlichung ALLER Ermittlungsergbisse sowie
(3) die Auflösung des Thüringer Verfassungschutzes.
Wir versichern, hier weiterhin am Ball zu bleiben und die Politik, aber auch die Gesellschaft, nicht aus ihrer Verantwortung zu entlassen!
Zum Abschluss möchten wir Euch nochmal daran erinern, dass wir für die Busplätze am 18. Februar nach Dresden bereits mit der Reservierung begonnen haben. Über die E-Mail-Adresse BusDD2012(at)gmx.de (unter Angabe von Name oder Pseudonym und der Angabe, ob Ihr über oder unter 18 Jahre alt seid) könnt Ihr Euch für einen solchen Sitzplatz anmelden. Nur wer sich hier anmeldet, erhält von dieser Mailadresse auch weitere Informationen zu Abfahrtszeiten und sonstige die Fahrt betreffende Nachrichten.
Um die Fahrt nach Dresden, aber auch unsere sonstige Arbeit weiter finanzieren zu können, benötigen wir neben den von der Stadt bereit gestellten Geldern auch weiterhin Eure Spenden. Die Angaben zu unserem Spendenkonto findet Ihr am Ende des E-Mail-Impressums. Vielen Dank an alle, die uns 2011 mit Spenden unterstützt haben!
So, nun wünschen wir Euch erstmal eine geruhsame, besinnliche und friedliche Weihnachtszeit sowie einen guten und glücklichen Start ins neue Jahr! Wir freuen uns auf Euch wieder in 2012!
Das Aktionsnetzwerk Jena und das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar haben am 16. Dezember 2011 nachfolgend eingestellten Text als Pressemitteilung veröffentlicht:
Am gestrigen Tag folgten ca. 70 Menschen dem Aufruf des Bürgerbündnisses gegen Rechts Weimar und des Aktionsnetzwerkes Jena zu Protestaktionen vor dem Thüringer Landtag und dem Landesamt für Verfassungsschutz in Erfurt. "Es sind zwar nicht hunderte Leute gekommen, Licht ins Dunkel des Thüringer Verfassungsschutzes und seiner Verstrickungen mit den Neonazistrukturen zu bringen, aber trotzdem ist es uns zum richtigen Zeitpunkt gelungen, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Zur gleichen Zeit wurde im Thüringer Landtag über den Haushalt 2012 und damit auch über die Gelder für den Thüringer Verfassungsschutz debattiert. In unseren Augen ist es ein Hohn, dass dieses Amt auch 2012 wieder 6 Millionen Euro bekommt und davon (V)-Leute in der Naziszene bezahlt. Heute ist das Ausmaß der Involviertheit dieses Amtes in die nazistischen Morde ja gerade erst zu erahnen.." sagt Mariana Thiele vom Jenaer Aktionsnetzwerk. Neben der angemeldeten Kundgebung vor dem Landesamt für Verfassungsschutz kam es zu einer spontanen Besetzung des Foyers. Diese dauerte drei Stunden und endete mit einem Kompromiss. "Drei Forderungen haben wir Innenminister Geibert genannt: 1. Die vollständige Veröffentlichung der Aufklärungsergebnisse der Untersuchungen zur Nazi-Terror-Serie und der Beteiligung des Verfassungsschutzes und nicht wie geplant die Unterteilung in einen öffentlichen und einen nicht öffentlichen Teil 2. Die gleichberechtigte Mitarbeit von engagierten Bürgern in der Schäferkommission, 3. Die Auflösung des Thüringer Verfassungsschutzes durch ein Bürgerkommitee." erklärt Uwe Adler vom Weimarer Bürgerbündnis gegen Rechts. Schade nur, dass der Innenminister in einer geradezu empörend herablassenden Art darauf beharrte, wer in diesem Land das Sagen habe und wer die Experten sind. Er läßt dabei außer acht, dass Menschen, die seit Jahren oder Jahrzehnten vor dem Wiedererstarken des Neonazismus warnen, ein Expertentum beizusteuern haben, ohne das Entscheidungen an den Bürgern und der Alltagsrealität vorbei gehen werden. Vergessen Sie nicht ,Herr Geibert, was Ihnen eine der TeilnehmerInnen höchst eindringlich ins Gesicht sagte: "Politiker sollten in allererster Linie Bürger sein." Wir werden unseren Forderungen zu gegebener Zeit mit weiteren Aktionen Nachdruck verleihen. Die Aufklärungsbemühungen der Schäferkommission und das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz werden wir weiter aufmerksam beobachten. Gemeinsam mit anderen Bürgerbündnissen werden wir in den nächsten Monaten diskutieren, welche Mittel wir brauchen, um uns dem neonazistischen Terror entgegenzustellen.
Aktionsnetzwerk Jena
Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar
Video zu unserer Protestaktion im Landesamt für Verfassungsschutz Thüringen
Das Aktionsnetzwerk Jena und das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar geben hiermit folgenden Aufruf bekannt und laden alle Engagierten und Interessierten zu Protestaktionen ein:
Weggeschaut – Verharmlost – Finanziert
FÜR DIE SOFORTIGE AUFLÖSUNG DES THÜRINGER VERFASSUNGSSCHUTZES
Die entscheidende Spur der Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ führt zurück in die Zeit Ende der 90er Jahre. Es ist eine Zeit, in der ein sozialdemokratischer Innenminister eine Antinazi-Bündnis Demonstration in Saalfeld verbietet und der Verfassungsschutz in seinen Monatsberichten Neo-Nazis verharmlost, aber Gewerkschafter, Linke und Antifaschistische Gruppen diffamiert. Die zentralen Organisationen der extremen Rechten: der Thüringer Heimatschutz, Blood&Honour und die NPD blühen in dieser Zeit auf, geführt durch hoch bezahlte V-Leute des Verfassungsschutzes. In diesem Klima agierten die Personen, die heute dem NSU zugeordnet werden und die für mindestens 10 Morde verantwortlich gemacht werden. Ihr Untertauchen, ihre weiter bestehenden Kontakte zu den V-Leuten und die nicht durchgeführten Zugriffe sind Anlass genug für uns, der offiziellen Version von einer unentdeckten Gruppe kein Wort zu glauben. Seit vielen Jahren stellen sich zivilgesellschaftliche und antifaschistische Gruppen dem Neo-Nazismus entgegen und werden dafür kriminalsiert. Noch immer laufen hunderte Straf- und Ermittlungsverfahren wegen der Anti-Nazi-Blockaden im Februar 2011 in Dresden.
Es ist Advent. Die Zeit der Erwartung. Aber wir erwarten nichts mehr. Unsere Geduld ist am Ende.
Wir fordern die lückenlose Aufklärung und öffentliche Aufarbeitung der Rolle des Verfassungsschutzes in den Neonazistrukturen, die Bildung eines Bürgerkommitees zur Auflösung des Verfassungsschutzes, ein Ende der Kriminalisierung antifaschistischer Arbeit!
PROTESTAKTIONEN AM 15. DEZEMBER 2011
16.00 Uhr: protestierten wir vor dem Landtag, während die Abgeordneten der Landesregierung dem Verfassungsschutz wieder Millionenbeträge für 2012 zuschustern
18.00 Uhr: protestieren wir vor dem Landesamt für Verfassungsschutz, in dem die Fäden der Neo-Nazi-V(ertrauens)-Leute zusammenlaufen
Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena
und Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar
Pressemitteilung des Bürgerbündnisses gegen Rechtsextremismus zur Podiumsdiskussion zum Thema Nazi-Terror am Mittwoch, dem 23. November 2011, im Kleinen Saal der Weimarhalle.
Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar möchte allen danken, die am Mittwoch Abend an der Podiumsdiskussion teilgenommen haben. Wir sagen auch Danke an die PodiumsteilnehmerInnen Katharina König, Astrid Rothe-Beinlich, Heiko Gentzel, Steffen Dittes und Jörg Geibert. Und herzlichen Dank Herrn Hartmut Kaczmarek für die Moderation. Danke an die Weimarhalle für die professionelle Unterstützung in der technischen Ausgestaltung. Und zu guterletzt Danke an Frank Lange (Kreisvorsitzender Die Linke.) für den Anstoß zu dieser Veranstaltung und für die Mitorganisation. Es war aus unserer Sicht eine wichtige Veranstaltung. Die Verstrickung und das Versagen der Sicherheitsbehörden heute abend aufzuklären, konnte nicht das Ziel sein. Aber wichtig ist es, den Menschen ein Podium anzubieten, miteinander zu diskutieren, Aufklärung zu verlangen und Rechenschaft einzufordern von den politisch Handelnden. Unsere Aufgabe wird es sein, hier nicht locker zu lassen und auch nach dem Abklingen einer öffentlichen Empörungswelle weiterhin Konsequenzen einzufordern. Damit wir uns nicht in zehn Jahren wieder auf einem selben Podium treffen müssen!
Als zweites möchten wir als Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar den Zentralrat der Juden in Deutschland ganz recht herzlich zu seiner Tagung in Weimar willkommen heißen, und wir wünschen den TeilnehmerInnen einen guten Verlauf und einen angenehmen und interessanten Aufenthalt in unserer Stadt!
Bilder // siehe auch http://www.bgr-weimar.de/cms/bildergalerie.html
Im Anschluss veröffentlichen wir eine Stellungnahme des Sprecherrates des BgR Weimar zu den Terrorakten der Neonazis und den dazu nun geführten Ermittlungen.
„Es ist kaum zwei Monate her, da durchsuchten Ermittlungsbeamte aus Sachsen die Räume des Jenaer Jugendpfarrers Lothar König. Grund: Gegen ihn wird wegen Teilnahme an den antifaschistiscen Blockaden im Februar 2011 in Dresden ermittelt. Frist zwischen Ausübung der vermeintlichen Tat und Einleitung eines Verfahrens – nicht einmal ein Jahr. Wir erinnern uns an die kürzlich von der Mehrheit des Landtagsinnenauschusses aufgehobene Immunität des MdL Bodo Ramelow – Grund: siehe oben. Weitere Verfahren gegen viele andere TeilnehmerInnen unserer Proteste wurden eingeleitet und führten und führen zu Prozessen. Vor wenigen Wochen in Berlin, Autos brannten zu Hunderten, der Verdacht einer Spur zu so genannten Linksextremisten war eine Frage von Minuten. Da waren sich Polizei, Innensenator und Medien mehrheitlich einig. Mittlerweile musste selbst Berlins Innensenator Körting eingestehen, dass nur ein Bruchteil der Autobrände einen politisch motivierten Hintergrund zu haben scheint.
Während all dies geschah und geschieht, basteln Nazis Bomben, haben eine blutige Spur von Morden durch die Bundesrepublik gezogen, neun Menschen mit Migrationshintergrund und eine Polizistin mussten dies mit ihrem Leben bezahlen. Vor dreizehn Jahren wurde in Jena eine Bombenbastler-Garage „ausgehoben“, die Betreiber eben dieser waren bekannt. Es waren dieselben, die weitere zwölf Jahre terrorisierend durch die Lande zogen und wohl noch weitere Verbrechen auf dem Gewissen haben, als bisher bekannt. Und weder Verfassungsschutz, noch Polizei und Ermittlungsbehörden haben davon etwas gemerkt? Zweifel mögen da angebracht sein.
Währenddesssen sich Zehntausende seit Jahren mit Zivilem Ungehorsam den Nazis in Dresden und anderswo entgegensetzen, viele Engagierte dringend notwendige Aufklärungsarbeit leisten und sich zum allergrößten Teil ehrenamtlich gegen diesen braunen Spuk einsetzen, sind der Staat und seine die Verfassung schützenden Organe scheinbar auf dem rechten Auge blind.
Das sich derzeit abzeichnende Gesamtbild dieser Neonazi-Gewalttaten lässt uns als Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar erschrocken und betroffen innehalten. Auch wir haben dieses Ausmaß nicht in der Größe annehmen können. Aber wir haben – gemeinsam mit vielen anderen Bündnissen und Netzwerken in Thüringen und darüber hinaus – jahrelang auf diese Gefahr aufmerksam gemacht, habe ein stärkeres Engagement der Gesellschaft insgesamt und des Staates im Besonderen angemahnt und eingefordert. Mit ernüchternder Bilanz: Die Gelder für Engagements gegen Rechtsextremismus wurden vom zuständigen Bundesministerium und Frau Ministerin Schröder zusammengestrichen. Nach sächsischem Vorbild müssen seit vergangenem Jahr auch bundesweit Initiativen und Vereine, die sich gegen Nazis engagieren, eine Klausel unterschrieben, wenn sie Bundesmittel beantragen. Es wird ihnen mit Misstrauen begegnet, sie werden unter einen Generalverdacht gestellt und es wird ein Bekenntnis zur Verfassungstreue von ihnen verlangt. Ein eben solches wird noch nicht einmal von der NPD verlangt, deren Verbot nun wieder aufmerksamkeitsheischend und als scheinbare Lösung des Probems gefordert wird.
Wir – das BgR Weimar – fordern schnellstmögliche und konsequente Aufklärung dieser schrecklichen Neonazi-Taten und einer möglichen Verstrickung des Verfassungsschutzes hierbei. Gleichzeit verlangen wir die Beendigung der Kriminalisierung antifaschistischen Engagements – ob in Dresden oder anderswo. Nicht die TeilnehmerInnen an den Dresden-Blockaden sind eine Gefahr für unsere Demokratie, im Gegenteil, sie verteidigen diese gegenüber einem Neonazismus, welcher in immer größerem Maße eben diese für seine Menschen verachtende Ideologie missbraucht und diese zu guter Letzt abschaffen will!“
Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar gratuliert dem Jenaer Oberbürgermeister, Herrn Dr. Albrecht Schröter, ganz herzlich zum „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“. Der „Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ ehrt damit das jahrelange Engagement des Jenaer Stadtoberhaupts gegen Neonazis.
Sehr geehrter Herr Dr. Schröter, das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar möchte Ihnen ganz herzlich zu Ihrer Auszeichnung mit dem „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ gratulieren! Wir haben Sie bei vielen Aktionen kennen lernen dürfen, bei denen sich Menschen unterschiedlichster Coleur gegen Nazis engagierten, und wir haben Sie als Menschen erlebt, der sich in die erste Reihe stellt, wenn es heißt, hier Gesicht zu zeigen! Dafür gebührt Ihnen unser allergrößter Respekt und unser aller Dank! Es ist (noch) nicht selbstverständlich, dass sich Stadtoberhäupter so konsequent auf diesem Gebiet engagieren und anderen dadurch auch Mut machen, sich ebenfalls unserem Protest anzuschließen. Sie sind hier auch Vorbild für viele andere Bürgermeister und Landräte, aber auch für MitarbeiterInnen in staatlichen Verwaltungen, wo man sich allzu oft hinter dem Grundsatz eines so genannten Neutralitätsgebotes versteckt – ob aus einem falsch verstandenem Unparteilichkeitsverständnis heraus oder oft auch aus Bequemlichkeit. In Weimar sind wir – wie die Engagierten in Jena – in vielerlei Hinsicht gut aufgehoben, hier ist eine solche Sensibilisierung nicht mehr in dem Maße notwendig. Dafür sind wir dankbar und das wissen wir zu schätzen. Bitte halten Sie weiter durch und lassen Sie sich nicht unterkriegen! Sie machen uns Mut und wir brauchen einander noch, zum Beispiel im Februar 2012 wieder in Dresden!
Mit solidarischen Grüßen!
Auf der Tagung der EKD-Synode in Magdeburg – dem obersten Gremium der evangelischen Kirche in Deutschland – gab es einen aktuellen Beschluß zum Engagement gegen Rechtsextremismus. Darin wird zu weiterem Engagement gegen Rechtsextremimus aufgerufen. Weiterhin wird die dauerhafte und nachhaltige Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement gefordert. Kritisiert wird die Ausspähung tausender Mobilfunkdaten. Christen werden ermuntert, sich gegen Rechtsextremimus zu engagieren, dabei ist bedingungslose Friedfertigkeit Voraussetzung für solches Handeln. Verständnis besteht für diejenigen, die aus Gewissensgründen Neonazidemonstrationen gewaltfrei blockieren. Der ganze Text im Wortlaut:
Engagement gegen Rechtsextremismus
1. Die Synode der EKD unterstützt den Protest gegen Rechtsextremismus in unserem Land und insbesondere alle zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für Demokratie und Menschenwürde einsetzen und gegen rassistische, antisemitische und rechtsextreme Einstellungen und Strukturen einstehen.
2. Die Synode bittet den Rat der EKD, sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass das haupt- und ehrenamtliche zivilgesellschaftliche Engagement für Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus weiter nachhaltig und dauerhaft gefördert wird. Alles, was bürgerschaftliches Engagement behindert oder entmutigt, muss unterlassen werden. Die Synode ist daher besorgt über die Ausspähung mehrerer tausend Mobilfunkdaten von Bürgerinnen und Bürgern aus dem gesamten Bundesgebiet während der Proteste gegen die größten Neonaziaufmärsche Europas in Dresden 2011. Dabei wurden auch Daten von Seelsorgenden, Anwälten und Anwäl-tinnen und Abgeordneten aus Bundes- und Landtagen observiert, die einem beson-deren Schutz unterliegen. Die Synode teilt die Sorge der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland um die Wahrung des Seelsorgegeheimnisses.
3. Die Synode ermutigt Christinnen, Christen sowie Kirchengemeinden, sich engagiert gegen menschenfeindliche und rechtsextreme Ideologien und Aktivitäten einzusetzen. Die unabdingbare und bedingungslose Friedlichkeit aller Aktions- und Protestformen ist für Christinnen und Christen in der Nachfolge Christi unbedingte Voraussetzung für solches Handeln. Wir haben Verständnis für Menschen, die aus Gewissensgründen Neonazidemonstrationen gewaltfrei blockieren. Dies hat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mehrfach zu positiven Veränderungen in Politik und Gesellschaft geführt.
Magdeburg, den 9. November 2011
Weitere Infos // http://www.ekd.de
Kirchheimer und Gäste protestierten gemeinsam gegen JN- und NPD-Veranstaltung
Dank an alle, die mit uns gemeinsam heute in Kirchheim gegen die JN- und NPD-Veranstaltung protestiert haben! Wir haben ein Zeichen gesetzt, dass wir das nicht unkommentiert geschehen lassen wollten. Und das ist gut so! Dank an die Kirchheimer für Kaffee und Kuchen :)
Vortrag mit der Autorin und Architektin Celina Kress am 25. Oktober 2011 in der Bauhaus-Universität Weimar
Unsere Veranstaltung zu „Adolf Sommerfeld. Ein Freund Gropius'“ war ein Erfolg. Toller und interessanter Vortrag, interessiertes Publikum. Danke allen, die da waren und die mit vorbereitet haben! Vielen Dank für den sehr gelungenen und interessanten Vortrag, Frau Kress. Frau Schaller und Herr Simon-Ritz, Ihnen recht herzlichen Dank für die Organisation und die sehr gute Zusammenarbeit! Wir würden uns freuen, wenn wir mal wieder eine Veranstaltung zusammen machen könnten.
Angaben zum Buch // Celina Kress: Adolf Sommerfeld. Bauen für Berlin 1910–1970, Einzelveröffentlichung des Landesarchivs Berlin im Lukas Verlag, Hrsg. Uwe Schaper, 286 Seiten, 288 Abb., ISBN 978-3-86732-081-8, Euro 39,80
Pressemitteilung des BgR zu den Protesten am vergangenen Samstag, dem 15. Oktober 2011, in Weimar
„Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar wertet die Proteste am vergangenen Samstag als Erfolg, auch wenn es nicht gelungen ist, die Nazis am Demonstrieren zu hindern. Nach einem Verbot durch die Stadt Weimar genehmigte letztendlich das Oberverwaltungsgericht die Nazi-Demo mit leicht veränderter Route. Auf scharfe Kritik stößt diese Entscheidung, da bei der Festlegung dieser Demoroute der Nazis durch das OVG ein Teil unseres angemeldeten Kundgebungsplatzes, des August-Baudert-Platzes, abgetrennt und somit den Nazis der Marsch in unmittelbarer Nähe gestattet wurde. Hier wurde ohne unsere Einbeziehung in unser Demonstratinsrecht eingegriffen. Dies verurteilen wir scharf und fragen uns, ob nun in Zukunft Kundgebungsanmeldungen nichts mehr wert sind, wenn durch ein Gericht so einfach darin eingegriffen werden kann. Das Vorgehen der Stadt gegen diese OVG-Entscheidung hat unsere volle Unterstützung und wir überlegen, ob wir selber rechtliche Schritte in die Wege leiten.
Dass sich am Samstag das gesamte so genannte bürgerliche Parteienspektrum bei den Protesten in Zurückhaltung übte, bedauern wir. Auch wenn die Mobilisierungszeit sehr kurzfristig war, ist es keine Entschuldigung, dass sich aus diesem Parteienspektrum kein Engagement entwickelt hat.
Mehr als 250 Menschen haben sich trotz allem an unseren friedlichen Aktionen beteiligt. Es lag wohl auch an unserer öffentlichen Mobilisierung, dass es am Ende nicht mehr als ca. 30 Nazis waren, die sich an deren Demonstration beteiligten. Dies ist ein Erfolg, den wir trotz Verfehlung des Maximalzieles, der Verhinderung eines solchen Nazi-Aufmarsches, nicht kleinreden wollen.
Vielen Dank an alle, die uns dabei unterstützt haben – in der Vorbereitung und am Tag selber! Vielen Dank ebenso an die Stadt, die erneut alles ihr Mögliche versuchte, die Nazis nicht marschieren zu lassen.“
Info // Wir treffen uns am Dienstag, 18.10.2011, 19 Uhr, im Jugend- und Kulturzentrum „mon ami“ zu einer Auswertungsberatung. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Ehrenbürgerwürde für den ehemaligen und einzig noch lebenden Weimarer Buchenwaldhäftling Ottomar Rothmann
Heute Vormittag verlieh die Stadt Weimar in einer festlichen Veranstaltung im Fürstensaal der Musikhochschule „Franz Liszt“ dem einzig noch lebenden ehemaligen Buchenwaldhäftling Ottomar Rothmann die Ehrenbürgerwürde. Auch VertreterInnen des BgR waren unter den GratulantInnen und meinen: gelungene Veranstaltung und Zeit wird es für diese Ehrung. Alles Liebe und die besten Wünsche an Ottomar Rothmann von uns!
Am Mittwoch, dem 14. September 2011, nahm das Bürgerbündnis nach zwei Jahren Pause wieder am Weimarer Benefixlauf im Wimaria-Stadion teil.
Ausgerichtet u.a. vom Rotary-Club Weimar, ist es das Ziel, mit vielen bunt gemixten Teams möglichst viele Runden zu laufen. Dabei waren u.a. die Stadtwerke Weimar, die Stadtverwaltung, der HSV, der Triathlon-Sportverein, Montag-Catering, die Brauerei Apolda, das Sophien- und Hufeland-Klinikum und viele, viele andere. Von Jung bis Alt waren alle dabei.
Jedes LäuferInnen-Team hat jeweils einen so genannten „Sponsor“ im Rücken, der eine vorher festgelegte Spende für jede gelaufene Runde entrichtet und somit einem jährlich neu festgelegten caritativem Zweck zugute kommen lässt.
Wir waren mit zwei Teams am Start und liefen mit insgesamt sechs StarterInnen über 60 Runden. Das haben wir aber auch in allen Muskeln gespürt, als wir uns bei dem im Anschluss gebotenen Buffet gütlich taten.
Unser Dank gilt allen LäuferInnen, die heute für die gute Sache wieder am Start waren, vor allem aber unseren sechs! Sonst bitten wir meist um Spenden, heute haben wir einen Teil davon wieder zurück-erlaufen können – darüber freuen wir uns!
Weitere Schnappschüsse // siehe auch in unserer Bildergalerie
Liebe MitstreiterInnen, liebe UnterstützerInnen und PartnerInnen, wir können es nicht oft genug wiederholen: Unser großer Dank Euch allen für Eure Teilnahme an unserem gestrigen Protest, für Eure Unterstützung, Euer Engagement, Eure Hinweise und Mithilfe! Wir haben erneut eine ermutigende Solidarität gespürt. Dank auch allen, die mit ihrem Namen unter unserem Aufruf Position bezogen und dies kundgetan haben! Euch allen sei Dank gesagt!
Im Einzelnen seien hier noch einmal genannt: das Orga-Team für diesen Tag, die MitstreiterInnen im BgR – von den Parteien, Gewerkschaften, den Weimarer Kirchen (insbesondere Hardy Rilke und Dirk Marschall), der Vokü aus der Gerberstraße, der weimar GmbH sowie der Klassik Stiftung, der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald, des VVN-BdA Weimar, des Pressehauses, des Bundes der Vertriebenen, des Jugendtheaters im „stellwerk“, der Samba-Gruppe „Escolar Popular“, der Band „Tuba Libre“, der Firma Drauf und Dran. Aber auch dem Zentralrat der Juden in Deutschland, der Jüdischen Landesgemeinde, dem Aktionsnetzwerk Jena, dem Aktionsbündnis Gera, den UnterstützerInnen aus weiteren Thüringer Bürgerbündnissen, den Landtagsfraktionen von Linke., Bündnis 90/De Grünen und SPD und vielen, vielen anderen sei gedankt! Es sind manche sicherlich vergessen worden in dieser Aufzählung.
Vor allem gilt unser Dank den MitarbeiterInnen der Versammlungsbehörde der Stadt Weimar, die in einem gerichtsfesten Verbotsantrag zu diesem Erfolg den wesentlichen Grundstein gelegt haben. Auch wenn wir uns darüber im Klaren sein müssen, dass in einer Demokratie ein Verbot von Demonstrationen immer nur ein letztes Mittel sein kann. Dank dem OB Stefan Wolf und den Dezernenten Janna de Rudder und Christoph Schwind für ihr Engagement.
Trotz schlechten Wetters und des bereits am Vorabend öffentlich gemachten Verbotsantrages kamen am Samstag Morgen ca. 500 Menschen zu einem friedlichen Protest nach Weimar und erlebten mit uns gemeinsam eine für weiteres Engagement Mut machende Abschlussdemonstration zum Goetheplatz, wo unser Protesttag zu Ende ging.
In der Organisation und der Vorbereitung der Proteste gab es – zugegeben – auch Unstimmigkeiten, nicht alles, was angedacht war, konnte umgesetzt werden. Dafür bitten wir um Entschuldigung, aber auch um Verständnis. Es war ein Kraftakt – auch für unseren Sprecherrat – aufgrund der Kürze der Zeit, die uns zur Verfügung stand.
Am kommenden Dienstag, den 30. August, werden wir uns für eine erste Auswertung des Samstages im Jugend- und Kulturzentrum „mon ami“ treffen. Hierzu möchten wir Euch herzlich einladen!
Am 10. August fand in Jena eine Soli-Demonstration für den Stadtjugendpfarrer Lothar König statt.
Dessen Büros wurden am selben Morgen von Einheiten sächsischer Beamter durchsucht, da gegen ihn wegen „Landfriedensbruch“ in Dresden am 19. Februar diesen Jahres ermittelt wird. Demokraten und AntifaschistInnen werden verfolgt als „Kriminelle Vereinigung“. Das dürfen wir nicht hinnehmen!
Der letzte Überlebende Rosa-Winkel-Häftling ist tot.
Das BgR Weimar trauert um Rudolf Brazda. Er war von 1942 bis 1945 im Konzentrationslager inhaftiert und erlebte dort als einer der wenigen die Befreiung im April '45. Nun verstarb er 98-jährig in einem Altenheim in Frankreich, in welchem er seit Juni dieses Jahres lebte. Nun soll er neben seinem 2003 verstorbenen Lebensgefährten bestattet werden. Noch im letzten Jahr, 2010, war er Gast des CDS Thüringen und nahm am Gedenken für die Rosa-Winkel-Häftlinge in der Gedenkstätte Buchenwald teil. Erst kürzlich wurde Rudolf Brazda von Frankreichs Präsident Sarkozy mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.
Pressemitteilung des BgR zu den Protesten in Gera am Samstag, den 6. August 2011
Das Weimarer Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus wertet die Proteste gegen das so genannte „Rock für Deutschland“-Konzert am Samstag in Gera grundsätzlich als Erfolg. Cirka 400 Rechtsextrenisten schafften es auf den Veranstaltungsort des Hass-Konzertes, die Geraer Spielwiese. Die Proteste von rund 1.000 Menschen haben das Vorhaben der Nazis durch ihre friedlichen Blockaden erheblich verzögert, es konnte sogar erreicht werden, dass ein Großteil der angereisten Rechten nach kurzer Zeit wohl die Lust verlor und sich wieder unter Polizeischutz zum Bahnhof zurückeskortiert ließ.
Ein großer Dank gilt dem Geraer Aktionsbündnis gegen Rechts, welches allen Wiedrigkeiten zum Trotz diese Proteste organisiert hat. Bei aller Kritik und auch Reibungspunkten, die im Vorfeld eines solchen organisatorischen Vorhabens nicht wegzuwischen sind, so sind wir erleichtert, dass wir uns am Tag selber haben nicht auseinander dividieren lassen!
Ausdrücklich kritisch bewertet das BgR Weimar die Arbeit der Ordnungsbehörde der Stadt Gera. Der Eindruck drängt sich auf, dass mit allen Mitteln versucht wurde, den Nazis ihr „Ereignis“ zu genehmigen. Dem ausdrücklichen Dank an den Geraer OB steht die massive Kritik am Bürgermeister Hein gegenüber, welcher den Einsatz Vornehms für die Proteste ad absurdum zu führen schien.
Nicht nachzuvollziehen ist ebenso das Wegschauen vieler Geraer aber auch Thüringer Bürgerinnen und Bürger, welche trotz großer Mobilisierung über die Strukturen und die Presse die Engagierten an diesem Tag vor Ort im Stich ließen. Eine Nichtbeachtung neonazistischer Aktivitäten lässt diese nicht ungeschehen machen. Widerstand ist eine Pflicht und muss eine Sache aller werden.
Auf diesem Wege möchte sich der Sprecherrat noch einmal recht herzlich bei allen bedanken, die bei der öffentlichen Lesung im Gedenken an die Bücherverbrennung am Dienstag, dem 10. Mai, auf dem Theaterplatz teilgenommen und dabei waren.
Das Echo auf diese Veranstaltung war aus unserer Sicht sehr überwältigend und Mut machend, so etwas doch öfters zu organisieren. Bedanken möchten wir uns vor allem beim Deutschen Nationaltheater, das uns als Mitveranstalter großartig unterstützt hat! Auch Radio LOTTE gebührt Dank, dass sie die Lesung aufgezeichnet haben. Danke auch an die TLZ und den Rathauskurier, welche im Vorfeld und in der Auswertung unsere Veranstaltung begleitet haben. Und zu guter letzt einen großen Dank an Frau Angela Egli von der Stadtkulturdirektion, die uns ermöglichte, diese Lesung im Rahmen der diesjährigen „Lesarten“ durchführen zu können.
Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, Texte zu lesen und uns die Möglichkeit gaben, ihnen zuzuhören. Und Danke allen, die auch einfach nur da waren und interessiert den Lesenden lauschten.
Hinweis // Schaut auch mal hier auf unserer Internetseite in die Bildergalerie.

Wir informieren Sie über unsere Aktivitäten, Veröffentlichungen und Veranstaltungen im Umfeld. Wenn Sie uns auf Veranstaltungen, Aktionen oder Vorkommnisse aufmerksam machen wollen, Interesse an der Arbeit der Bürgerbündnisse haben bzw. mitarbeiten möchten, Fragen oder Anregungen haben, dann schreiben sie uns, rufen Sie an oder kommen Sie zu einem der nächsten Treffen.